In der Gesamtheit aller Frakturen machen Wirbelbrüche zwar nur einen kleinen Teil aus, bei älteren Menschen sind sie jedoch alles andere als selten. So gehören etwa Frakturen von Lenden- und Brustwirbeln zu den häufigsten Frakturen bei Personen über 70 Jahren.1 Viele dieser Wirbelbrüche können konservativ behandelt werden. Eine Reha nach Wirbelbruch ohne OP unterstützt die Heilung, verringert Schmerzen und reduziert das Risiko für Folgeschäden.
Reha nach Wirbelbruch ohne Operation
- Indikationen: Wirbelfraktur in Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule

- Arten der Reha: medizinische Reha auf Antrag/Heilverfahren, Anschlussheilbehandlung (AHB)
- Behandlungen: Physiotherapie, Ergotherapie, Physikalische Therapie, Medizinische Trainingstherapie (MTT), Sporttherapie, Pflege, Gesundheitsbildung, psychologische Gespräche und sozialmedizinische Beratung
- Ziele: Linderung von Rückenschmerzen, Wiederherstellung der Beweglichkeit, Verhinderung von Folgeerkrankungen, ganzheitliche Regeneration
- Dauer: stationäre Reha i. d. R. 3 Wochen, ganztägig ambulante Reha i. d. R. 15 Behandlungstage
- Kostenträger: Gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Krankenkasse, Beihilfe, Unfallversicherung, private Krankenversicherung, Selbstzahler
Warum ist eine Reha nach einem Wirbelbruch sinnvoll?

Der Bruch eines Wirbelkörpers ist häufig sehr schmerzhaft und kann zu Komplikationen, Folgeverletzungen oder Fehlhaltungen führen. Nicht immer ist eine Operation erforderlich, manchmal ist auch eine konservative Behandlung ausreichend. Um die Heilung optimal zu unterstützen, kann eine Reha nach Wirbelbruch ohne OP sinnvoll sein. Sie unterstützt nicht nur die Regeneration, sondern hilft Patienten außerdem dabei, wieder mehr Beweglichkeit zu erlangen, Schmerzen zu lindern und die Wirbelsäule langfristig zu stabilisieren.
Wer hat Anspruch auf eine Reha nach einem Wirbelbruch ohne OP?
Ein Anspruch auf eine Reha nach Wirbelbruch besteht grundsätzlich für alle gesetzlich versicherten Personen, die aufgrund der Verletzung unter starken Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen leiden, sodass ihre Erwerbsfähigkeit oder selbstständige Lebensführung gefährdet oder gemindert ist oder eine Pflegebedürftigkeit droht.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Reha nach einem Wirbelbruch?
Die Frage: „Wann Reha nach Wirbelbruch?“, lässt sich nicht pauschal beantworten. Der richtige Zeitpunkt für den Beginn der orthopädischen Reha ist abhängig von der Art der Fraktur, dem individuellen Heilungsverlauf und der persönlichen Verfassung. Wurde die Fraktur im Krankenhaus stationär versorgt, kann der Sozialdienst der Klinik eine Anschlussheilbehandlung in die Wege leiten, die spätestens 2 Wochen nach der Entlassung erfolgen sollte. Andere Reha-Arten sind auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich.
Welches Ziel verfolgt eine Reha nach einem Wirbelbruch?
Eine Reha hat ganz allgemein das Ziel, die körperliche, funktionelle und psychosoziale Selbstständigkeit der Betroffenen wiederherzustellen oder zu verbessern. Die konkreten Ziele sind von Patient zu Patient etwas unterschiedlich – je nach Ausmaß der Verletzung, den Beschwerden, dem Behandlungsverlauf und der Lebenssituation.
- Schmerzlinderung
- Wiederherstellung einer gesunden Körperhaltung
- Förderung der Beweglichkeit
- Muskuläre Stabilisierung der Wirbelsäule
- Psychosoziale Stabilisierung
- Wiederherstellung der Selbstständigkeit im Alltag

Welche Behandlungen sind Teil der Reha?
Die Therapien werden für jeden einzelnen Patienten individuell ausgewählt, um den Heilungsverlauf bestmöglich zu unterstützen. Für die Behandlung älterer Menschen mit Frakturen, die durch eine Osteoporose bedingt sind, ist in der Regel ein anderes Behandlungskonzept erforderlich als zur Behandlung jüngerer Patienten mit traumatisch bedingten Brüchen von Wirbeln oder Wirbelkörpern (z. B. durch Unfall).2 Der individuelle Therapieplan kann u. a. Folgendes enthalten:
- Physiotherapie
- Schmerztherapie
- Physikalische Therapie
- Sporttherapie
- Medizinische Trainingstherapie (MTT)
- Ergotherapie
- Gesundheitsbildung
- Psychologische Gespräche
- Sozialmedizinische Beratung
Welche Schritte umfasst die Reha nach einem Wirbelbruch?
Eine Reha nach Wirbelbruch ohne Operation kann entweder ganztägig ambulant oder vollstationär in einer Klinik durchgeführt werden. Vor Beginn der Behandlung erfolgt eine umfassende Diagnostik, die auch weitere, parallel bestehende Erkrankungen erfasst. Auf dieser Basis wird ein individueller Therapieplan erstellt, der in der Regel verschiedene Einzel- und Gruppenanwendungen enthält und jederzeit an den individuellen Fortschritt angepasst werden kann. Zu den vorgegebenen Zeiten finden sich die Rehabilitanden in den entsprechenden Räumlichkeiten ein und werden dort von den Therapeuten bei der Durchführung spezieller Übungen etc. unterstützt. Die therapiefreie Zeit kann frei gestaltet werden.
Wie lange dauert die Reha?
Die zur Verfügung stehende Zeit für die Reha nach einer Fraktur im Rücken, nach einer Hüft-OP oder einem Bruch des Oberschenkelhalses etc. ist die gleiche und wird vom Kostenträger vorgegeben.
Ambulante Reha
Die ambulante Reha findet teilstationär statt: An 15 Behandlungstagen (montags bis freitags) verbringen die Patienten den Tag in der Klinik, die Abende und Wochenenden dagegen in ihrem gewohnten Zuhause. Die tägliche An- und Abfahrt muss selbstständig organisiert werden. Sollten die Betroffenen pflegebedürftig sein, muss eine adäquate Versorgung sichergestellt sein.
Stationäre Reha
Die stationäre Reha umfasst 3 Wochen Aufenthalt in der Rehaklinik. Während dieser Zeit werden die Patienten umfassend versorgt. Die räumliche Trennung ermöglicht es Körper und Seele, sich fernab von alltäglichen Belastungen zu erholen und zu stabilisieren. Beim stationären Aufenthalt ist bedarfsweise Unterstützung durch die Pflege möglich.
Wer trägt die Kosten für die Rehabilitation nach Wirbelbruch ohne OP?
Für die Kostenübernahme können verschiedene Kostenträger zuständig sein, je nach Versichertenstatus. Bei erwerbstätigen Patientinnen und Patienten übernimmt die Rentenversicherung in der Regel die Kosten für die Maßnahme. Bei nicht mehr erwerbstätigen Patientinnen und Patienten ist in der Regel die Krankenkasse zuständig. Privat versicherte Personen müssen eine Beteiligung ihrer Versicherung individuell erfragen. Alternativ ist eine Behandlung als Selbstzahler möglich.
Wie beantragt man eine orthopädische Reha nach einem Wirbelbruch?

Erfolgt die Reha als Anschlussheilbehandlung nach einem Eingriff oder einer konservativen Behandlung im Krankenhausaufenthalt, übernimmt der Sozialdienst der Klinik die Antragstellung. Anders sieht es bei einer medizinischen Rehabilitation auf Antrag aus: Hier muss der Antrag vom Patienten gestellt und beim Kostenträger (i. d. R. Rentenversicherung oder Krankenkasse) eingereicht werden. Wichtig sind Befundberichte oder medizinische Gutachten vom behandelnden Arzt, um die Notwendigkeit einer Behandlung, auch ohne einen zuvor erfolgten operativen Eingriff, zu begründen.
Nach der Reha – Wie geht es weiter?
Bei Erkrankungen wie Osteoporose oder anhaltenden Schmerzen im Rücken kann eine ambulante Fortführung bestimmter Therapien sinnvoll sein. So kann beispielsweise die ambulante Physiotherapie Patienten nach der Fraktur des Wirbels helfen, die Wirbelsäule weiter zu stärken und Folgeverletzungen oder
-beschwerden zu vermeiden. Überdies gibt es spezielle Reha-Nachsorge-Konzepte wie T-RENA , wenn weiterhin Funktionsdefizite bestehen oder das Programm IRENA, um die Erwerbsfähigkeit zu sichern.
Worauf sollte man bei einer Rehaklinik nach einem Wirbelbruch ohne OP achten?
Damit die Wirbelsäule schnell wieder maximal belastbar wird und chronische Folgen wie Rückenschmerzen effektiv verhindert werden, sollten sich Betroffene an eine Rehaklinik mit umfassender Expertise im Fachbereich Orthopädie wenden.
Ein breit aufgestelltes Angebot an Therapien, erfahrene Ärzte und Therapeuten aus verschiedenen Fachbereichen, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Erfahrung in der Behandlung typischer Begleiterkrankungen sollten gegeben sein. Darüber hinaus ist entscheidend, dass die Klinik einen gültigen Versorgungsvertrag mit dem individuellen Kostenträger unterhält. Ein attraktives Ambiente und Freizeitmöglichkeiten unterstützen Heilung und Regeneration zusätzlich.
Quellenliste
1 Rupp, Markus et al. „Inzidenz von Frakturen in der Erwachsenenpopulation in Deutschland. Eine Analyse von 2009 bis 2019“, In: Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 665-9; DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0238, Tabelle 2, https://www.aerzteblatt.de/archiv/inzidenz-von-frakturen-in-der-erwachsenenpopulation-in-deutschland-0819d94a-0708-4629-8a34-fe9f12da8335 (Datum des Zugriffs: 07.05.2025)
2 Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., Rehabilitation nach traumatischen Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule ohne neurologische Ausfälle, 2. Auflage/ 5. Version Datum: 12/2021, S. 5, verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/187-002l_S2k_Rehabilitation-nach-traumatischen-Frakturen-der-Brust-und-Lendenwirbelsauule-ohne-neurologische-Ausfaelle_2022-06.pdf (Datum des Zugriffs: 07.05.2025)